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Herr Fuchs
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« am: April 04, 2006, 01:01:40 » |
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Liebe Leser!
Nach einer langen Durststrecke ist es nun wieder soweit, Ihr geliebter Gesellschaftskritiker und Freizeittheologe, Ferdinand Fuchs, widmet sich erneut den Problemen des Alltags. Manch ein etwas gehemmter Zeitgenosse unter Ihnen hatte vielleicht den Eindruck gewonnen, dass der Autor seinen Biss und Ideenwitz verloren habe.
Leser allgemein (höhnisch): „ Dem Idiot fällt nichts mehr ein. Der hat sein Pulver schon an Weihnachten verschossen. Das ist ja auch nur so eine Arschgeige, die sich auf Kosten anderer profilieren will. Hoffentlich hört er jetzt endlich damit auf, so einen Dreck zu schreiben, das Internet muss sauber bleiben! Der hatte in seiner Jugend doch sicherlich Probleme im Elternhaus gehabt…“
Ja, meine lieben Leser, mit solch harten Äußerungen aus den Reihen meiner Kritiker muss ich leben. Die Anschuldigungen treffen mich sehr und hemmen bisweilen sogar meine Fähigkeit, vor dem Rechner zu onanieren. Sogar meine Suche nach guter Internetpornographie kam stellenweise zum Erliegen. Um diesen Teufelskreis der Selbstgerechtigkeit meiner Leser zu durchbrechen möchte ich ab heute etwas Positives zu diesem Forum beitragen. Ja, Sie haben richtig gehört liebe Kritiker, Ferdi-Fuchs wird sich ab heute mit all Ihren Problemen beschäftigen und versuchen, Ihnen zur Seite zu stehen. Ferdinands kritischer Mitgliederbereich sollte ab jetzt in „ Ferdinands ehrliche Internetseelsorge“ umbenannt werden. Da staunen Sie meine Damen und Herrn! Endlich ist jemand da, der sie nicht gleich als dreckiges Nazischwein beschimpft, wenn sie nach der zwölften Flasche Bier mal wieder ordentlich die Ehefrau verprügelt haben. Ein dicker Herr (maulend): „ Die Schlampe hat es doch verdient. Die muss wissen, wer der Chef ist…“
So gefallen sie mir, Sie müssen es zeigen, wer der Herr im Haus ist. Der Adolf, der würde ihnen jetzt sicherlich zustimmen
Ein dicker Herr ( klatscht fröhlich mit beiden Händen auf seine Lederhosen): „ Genau! Beim Adolf war alles besser! Da war noch Zucht und Ordnung! Nicht wie heute! Erna, Du blöde Schlampe, lass den Hund raus, der bellt wieder, ERNA…“
Ich stimme Ihnen vollkommen zu. Wie soll denn auch jemand Respekt vor Ihnen haben, wenn Sie ihm nicht vorher das Hirn aus dem Schädel geprügelt haben? Verständigung ist doch grundsätzlich erst nach zwei gebrochenen Knochen, oder auch mehr, möglich Ein dicker Herr (rülpsend und furzend): „ Hast Du gehört, Erna? Der Herr Fuchs da, aus dem Computer, der sagt genau das Gleiche, was ich sage. Der Bursche gefällt mir, der weiß noch, wie man Weiber behandeln muss, nicht so wie die ganzen Schwuchteln da draußen, die mit Ihren Schlampen fressen gehen oder Schweinkram in einem guten deutschen Lichtspielhaus treiben. Der Kerl hat noch Schneid.“
Aber auch für Ihr Seelenleben soll gesorgt sein, liebe Jäger! Man ist nämlich noch lange kein Killer, nur weil man grundlos tötet. Gewalt ist wie ein Eisberg, denn was man davon sieht, das ist nur die Spitze.
Herr Weidmann (aggressiv): Das war doch nicht grundlos! Das Reh hat mich halt eben provoziert, warum guckt das mich auch so blöd an? Das hat sich doch lustig über mich gemacht! Wie soll ich denn da anders reagieren, als mit einem Schuss?
Ich verstehe das vollkommen, es blieb Ihnen einfach keine andere Wahl. Aber sind Sie sich wirklich völlig sicher, dass sich Ihre Nachbarn nicht ebenfalls über Sie lustig machen?
Herr Weidmann (entsetzt): WAS? Glauben Sie das wirklich, Herr Fuchs?
Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass Ihre Nachbarn pausenlos dumme Witze über Sie reißen vor allem Opa Knoschke ist dafür berüchtigt, dass er gerne mal unter die Gürtellinie greift und das nicht nur bei kleinen Jungen. Können Sie das wirklich auf sich sitzen lassen? Muss da ein vernünftiger Mensch, wie Sie es zweifellos sind, nicht sofort handeln?
Herr Weidmann (entsetzt):" Mir bleibt wirklich keine andere Wahl übrig! Danke Herr Fuchs..."
Auch Sie liebe Großunternehmer sollen sich nicht länger mit Vorwürfen quälen, denn die drei allein erziehenden Mütter, denen Sie heute Morgen fristlos gekündigt haben, finden sicherlich im Nu eine neue Arbeit.
Das Kapital (brüllend): Das Pack ist doch stinkfaul. Immer nur bumsen und Balgen in die Welt setzen aber nichts dafür tun wollen.
So sehe ich das auch! Die Galeere fährt eben nur, wenn der Sklave die entschlosse Peitsche im Kreuz spürt. Urlaubsgeld, Freizeitausgleich, Mutterschutz, das fördert doch nur Drückebergerei und Faulheit. Kündigungsschutz, Arbeitszeitregelungen und Mindestlöhne, das sind die Krankheitskeime, die unsere Gesellschaft zerstören.
Das Kapital (triumphierend): Jawoh, Herr Fuchs, Sie wissen, worauf es ankommt. Warum sollte das Pack überhaupt Lohn bekommen? Die kaufen sich ja doch nur Schnaps davon. Und wenn sie sich keinen Schnaps kaufen, dann kaufen sie eben etwas zum Fressen und wer am Fressen ist, der kann nicht arbeiten. So einfach ist das… hohoho
Es ist nur gut, dass Sie den Frauen noch einen ordentlichen Diebstahl in die Schuhe schieben konnten, sonst würden diese am Ende noch vor Gericht ziehen und auf Lohnfortzahlung klagen.
Das Kapital (lächelnd): Ja, das war richtig schlaus so bin ich eben, meine Frau liebt das an mir
Ich empfehle Ihnen sogar, dass Sie die Produktion nach Thailand verlegen, denn dort sind die Leute für Arbeit wenigstens dankbar.
Das Kapital(verblüfft): Glauben Sie das wirklich?
Selbstverständlich, denn die wissen nicht einmal, wie man das Wort, Arbeitsvertrag, schreibt. Jugendschutz gilt da nur für Ungeborene und ab der Geburt ist man voll erwerbsfähig! Zwei Thai-Taler Tageslohn, das reicht gerade, um genug Klebstoff zu schnüffeln, damit die nächsten 48 Stunden durchgearbeitet werden kann. Das Wort Gewerkschaft ist dort noch ein Schimpfwort
Das Kapital (euphorisch): Das ist ja noch besser, als ich dachte! Muss ich die 2 Thai-Taler Lohn pro Tag denn aber auch wirklich auszahlen?
Ich bitte Sie! Wer soll das denn überprüfen? 14 Tage unentgeltliche Arbeit im Monat gehören dort noch zum guten Ton.
Das Kapital (skeptisch): Und was ist mit den übrigen zwei Wochen
Ich glaube, daran lässt sich auch noch etwas drehen
Das Kapital (vor Glück strahlend): Bei der Kinderarbeit auch?
Diese bekommen selbstverständlich überhaupt keinen Lohn! Wer würde denn Kinder schon Lohn bezahlen? Das Auszahlen von Lohn ist ja schon fast ein Verstoß gegen die guten Sitten und wird sowieso nur noch von den Kommunisten praktiziert.
Das Kapital(weinend vor Glück): Müssen die Kinder erst zur Schule oder können sie bereits ab vier Uhr morgens mit der Arbeit beginnen?
Schule, Lesen, Bildung. Pfui, das sind schlimme Wörter, die sie besser schnell wieder vergessen. Wer lesen und schreiben kann, der kommt irgendwann nur auf dumme Gedanken und möchte staatlich geschützt werden oder möchte Gewerkschaften gründen. Warum sollte denn jemand, der im Steinbruch arbeitet, lesen und schreiben können?
Das Kapital (endgültig überzeugt): Das ist wohl war. Danke für Ihre Hilfe, Herr Fuchs!
Zum Schluss zu Ihnen, liebe Besitzlosen. Sehen Sie Ihre Armut nicht länger als Belastung oder Bürde an, sondern als Chance zur Entwicklung
Ein Besitzloser (fragend): Als Chance?
Ja, als Chance, um Ihre große Menge Freizeit sinnvoll zu nutzen. Nehmen Sie sich die Zeit und beobachten Sie die Besitzenden, während ihres alltäglichen Treibens. Sehen Sie dabei zu, wie diese in den großen Konsumtempeln dieses Landes Ihr Vermögen für Dinge verprassen, die sie im Endeffekt doch nicht benötigen. Freuen Sie sich für den Besitzenden, wenn er gerade seine dritte Kreuzfahrt in diesem Jahr bucht, während bei Ihnen zum dritten Mal in diesem Jahr der Gerichtsvollzieher aufkreuzt. Leiden Sie mit dem Besitzenden, wenn er sich nicht entscheiden kann, ob er mit seinem Privatjet oder der Lufthansa nach New York fliegt, während Sie aus der Wohnung fliegen.
Ein Besitzloser (unsicher): Glauben Sie wirklich, dass ich das tun sollte?
Um jeden Preis sollten Sie dies tun. Bedenken Sie dabei auch immer, dass Sie durch Ihre Arbeit den Besitzenden erst in die Position gebracht haben, dass er heute die Kürzung Ihrer Sozialhilfe verlangen kann. Vergessen Sie dabei auch nie das Motto, das Ihnen jeder Besitzende unter die Nase reiben wird, falls er Sie vor einer Armenküche antreffen sollte. „Geld macht nicht glücklich, ganz im Gegenteil, es macht sogar nur unglücklich. Ich würde gerne in tiefer Armut leben“
Ein Besitzloser (erleichtert): Mir geht es jetzt schon ein wenig besser!
Bitte beachten Sie aber bei Ihren Beobachtungen, dass Sie den Besitzenden in seinem Tun nicht stören oder behindern. Sollte er Ihre Armut und Anwesenheit oder vielleicht sogar Ihre ärmliche Existenz generell als belästigend empfinden, so besteht die Gefahr, dass er ins Ausland abwandert und dort seine Kaufkraft realisiert. Im schlimmsten Fall aber landen Ihre Innereien auf seiner Wunschliste zur nächster Organspende, was sich bei Ihrem nächsten Krankenhausaufenthalt als problematisch erweisen könnte.
Ein Besitzloser (zustimmend): Ich werde Ihre Ratschläge beherzigen! Vielen Dank Herr Fuchs
Liebe Leser, ich hoffe, dass Ihnen "Ferdinands ehrliche Internetseelsorge" aus Ihrer Not helfen konnte. Zögern Sie nicht damit, ebenfalls an mich zu schreiben, falls Sie Sorgen haben, deren Lösung Sie nicht finden. Bis dahin trösten Sie sich mit gängigen Floskeln, wie z.B. „geben ist seeliger denn nehmen usw“, und versuchen Sie unbedingt, die Hoffnung solange nicht zu verlieren, bis sich ein Dritter ausreichend an Ihnen bereichert hat.
Hochachtungsvoll Herr Fuchs
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