Haffax
Küchenwichtel

Beiträge: 4
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« Antworten #20 am: August 31, 2006, 05:20:59 » |
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Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx (Gebundene Ausgabe - Oktober 2004)
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Wenn ihr lieben Leute den guten Herrn Marx gelesen hättet, müsstet ihr euch keinen Kopf mehr drum machen, warum das Kapital die Menschen jetzt verrät. Und sicher würdet ihr nicht denken, dass die Zeichen der Zeit auf den "Niedergang unseres Wirtschaftssystems" zeigen.
Im Gegenteil, es ist der grundlegende Gedanke unseres Wirtschaftssystems, der Marktwirtschaft, dass es das oberste, ja einzige Ziel eines Unternehmens ist, Gewinne zu erwirtschaften. Hohe Gewinne, die dazu dienen können, den Konkurrenten "aus dem Markt zu drängen". Einer von vielen Euphemismen, wie sie so gern benutzt werden in diesen Kreisen. Man könnte treffender sagen, um den Konkurrenten zu vernichten.
Weder die eigenen Arbeitsplätze noch die das Konkurrenten, der Pleite geht, haben den Unternehmer zu interessieren. Das können sie in der Marktwirtschaft auch gar nicht, denn schliesslich hat auch er Konkurrenten, die ihn vernichten wollen. Vernichten werden, wenn er mit den Gewinnen seiner Gegner nicht mithält.
OK, bei uns kommt es erst jetzt zu den echten Auswüchsen der Marktwirtschaft, weil wir vorher die "soziale Marktwirtschaft" hatten, angespornt von unserem Nachbarn im Osten mit Vollbeschäftigung, freier Krankenversicherung und all so nem Zeug. Seit die Alternative fehlt, zeigt das Kapital sein Gesicht offener als vorher. Der Kampf dagegen wird schwerer, vor allem in Deutschland, wo echt keiner auf die Barrikaden steigt. Zumindest nicht in den letzten knapp 40 Jahren.
Nein, was hier passiert ist die Unterwerfung unter die "Zwänge des Marktes", als wären die Regeln des Marktes nicht vom Menschen geschaffen, so wie alle Regeln des menschlichen Miteinanders. Nein, nein, der Markt ist gut, der Markt hat recht. Es ändert sich nichts, weil einige wenige mit diesem System sehr zufrieden sind, die Verlierer nicht auf die Barrikaden gehen und der (kleiner werdende) Rest keine Idee hat, was man denn anders machen könnte, es war ja schliesslich schon immer so.
Alle Parteien singen das Lied der Freiheit. Aber was sie in ihren Büchern stehen haben, ist die Freiheit des Kapitals. "Die Liberalen" meinen diese Freiheit, nicht die des Menschen. Sie meinen die Freiheit des Unternehmers, sich in einen Kampf auf Leben und Tod zu stürzen. Seine Freiheit, sämtliche Konkurrenten (wenn möglich) auszumerzen. Die neuerdings von den Arbeitsagenturen beworbene Freiheit des Arbeitslosen, sich auf eigenes Risko aus der Sorgepflicht des Staates zu verabschieden, um sich ebenso in diesen ungleichen Kampf zu begeben, in der Hoffnung, dass keiner der Grossen, vielleicht nur aus Versehen, auf ihn tritt und seine Lebensgrundlage zerstört.
Die Freiheit des Kapitals widerspricht der Freiheit des Menschen, denn es soll und muss auch bei unserer technologischen Entwicklungsstufe nicht das primäre Ziel des Menschen sein, sich um seine Existenz zu sorgen. Wir sind de facto in der Lage, die ganze Menschheit mit allem nötigen zu versorgen. Allein die Freiheit des Kapitals, der Götze der Rendite verhindert das. Lässt Menschen in Deutschland bloss verelenden, ausserhalb Europas (auch in den USA) gern auch mal verhungern. Während in Europa Milliarden Tonnen Lebensmittel einfach vernichtet werden. Die Logik des Marktes...
Die Liberalen haben das nie verstanden, scheint mir. Die Grundlage des Liberalismus ist mir sehr sympathisch, Wikipedia sagt dazu "Im Zentrum seiner politischen Philosophie steht das Individuum, dem größtmögliche Freiheit gegeben werden soll, sowie das Prinzip der Nichtaggression." Wie es um die Nichtaggression steht, habe ich glaube ich zur Genüge dargelegt. Wer für die Freiheit des Kapitals ist, kann nicht für die Nichtaggression sein. Aber das ist es, was sich alle Parteien, selbst SPD und Grüne, auf die Fahnen geschrieben haben. Und die Linkspartei bleibt ebenfalls zum Grossteil bei der verkürzten Darstellung, dass ja bloss das Grosskapital böse ist, anstatt das Kind beim Namen zu nennen:
In einem System, in dem das Kapital die grösstmögliche Freiheit hat, wird dieses immer den Menschen knechten. Dort gibt es weder Gerechtigkeit noch Freiheit für den Menschen.
"Die Dinge sitzen im Sattel und reiten die Menschheit." (Emerson)
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