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Herr Fuchs
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« am: Juli 02, 2006, 08:42:56 » |
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Schrill, Schrill, Schrill…
…der erbarmungslose Signalton meines Weckers reißt mich unsanft aus meinen tröstenden Träumen, Träume die mich für wenige Stunden die grausame Wirklichkeit, worin ich mich befinde, vergessen lassen. Kennen Sie das unliebsame Gefühl in der Magengegend, wenn Ihnen bereits Sekunden nach dem Erwachen bewusst wird, dass Sie ein langer, erfolgloser und furchtbarer Tag erwartet?
Ein Angesprochener(lachend): Klar kenne ich das Gefühl, ich bekomme ja schließlich nicht umsonst Hartz III. oder IV. oder wie der Scheiß auch heißt* hahahaha*
Entschuldigung, ich vergaß zu wem ich spreche! Wie auch immer, kaum nach dem ich die Augen richtig öffnen kann, erblicke ich bereits Alberich, Opa Knoschkes Dackel, der triumphierend auf meinem Bett sitzt und mich voller Hohn, Spott und Verachtung gleichermaßen ansieht. Seine Gedanken sind für mich so klar zu lesen, wie ein offenes Pornoheft
Alberich( voller Genugtuung): Es ist zu spät Junge, mein Haufen ist bereits vortrefflich und auch sehr bedacht platziert. Mach was draus…
Alberich läuft so schnell er kann aus der Wohnung hinaus, um seinem Herrchen auf die immer gleiche, hechelnde Weise von der braven Erledigung des Geschäfts zu berichten. Sein Gekläffe, der wedelnde Schwanz und die hechelnde Zunge verkünden bereits von weitem den triumphalen Erfolg des Dackels, was ihm die nie enden wollende Dankbarkeit seines Herrn sichert.
Opa Knoschke(zufrieden): Du bist ein braver Alberich, es geht doch nichts über Ordnung und Sauberkeit! Komm schnell herein, dann lege ich auch eine neue Platte mit Marschmusik auf, die hörst Du doch so gerne….
Alberich hat heute wirklich ganze Arbeit geleistet. Mit dem Haufen neben meinem Kopfkissen hat er ein wahres Meisterstück abgeliefert. Ich versuche den Ekel zu unterdrücken und mich nicht zu übergeben. Während ich mit meinem Magen kämpfe, überlege ich, ob heute noch etwas Besonderes auf mich wartet oder ob ich den Tag in meinem tröstenden Bett verbringen kann. Ohne ersichtliche Reinfolge schießen mir einige Wörter durch den Kopf. Zahnarzttermin….Hausputz…..neues Pornoheft kaufen…, doch plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen, heute heiratet meine Base Ilse. Noch bevor ich diesen Gedanken zu Ende führen kann, verdunkelt sich um mich herum der Raum. Alles wirkt verschwommen und unwirklich. Unter meinem Bett ziehen Nebelschwaden hervor, die meine Sinne trüben.
Als sich der Dunst verzieht, befinde ich mich in einer Kirche. Alles ist wundervoll und kostspielig geschmückt. Von irgendwoher ertönt ein liebliches Ave-Maria. Zu meinem Leidwesen sitze ich direkt neben meinem alten Oheim, einem sehr lästigen und unangenehmen Zeitgenossen. Vorne am Altar befinden sich meine Base und ihr zukünftiger Mann. Ein sehr alter Pastor hält betend die Hände auf ihren Häuptern. Er murmelt einige Worte in seinen Bart hinein, die höchstwahrscheinlich dem Lateinischen entstammen, allerdings könnten es auch die Halbzeitergebnisse der Fußball Bundesliga sein, so genau weiß das niemand. Die Augen hält er dabei in tiefer Andacht und Frömmigkeit geschlossen. Nur ab und an wirft er einen freundlichen Blick zu seinen Messdienern hinüber.
Eine närrische Frömmlerin(seufzend): Ach ja, unser guter Herr Pastor. Was ist er doch für ein herzensguter und hilfsbereiter Mann. Ich habe noch nie jemanden gekannt, der so selbstlos hilft wie er. Obdachlosen gewährt er Unterkunft, Hungernden gewährt er Brot und den Messdienern hilft er sogar beim Anlegen der Kutten….
Ja, ja, unser verehrter Herr Pastor greift immer wieder gerne dort an, wo andere Männer die Hände lieber weg lassen sollten. Nichts desto trotz scheint nun der Moment gekommen zu sein, wo das Brautpaar sein selbstverfasstes Ehe-Gelübde vorträgt. Mir graut etwas vor dem Gedanken, dass Base Ilse, die sicherlich auch irgendwann in ihrem Leben eine Grundschule von innen gesehen hat, anfängt einen Vierzeiler aufzusagen.
Base Ilse(laut und grell): Du bist mein Engel, nicht mein Bengel, Du bist mein und ich bin Dein, Du bist mein Zucker ich Dein Kuchen, lass uns küssen und nicht mehr fluchen….
So geht das nun eine geschlagene Viertelstunde weiter, mit dem Ergebnis, dass die gesamte närrische Gemeinschaft in Tränen ausbricht. Selbst die Geliebte des zukünftigen Ehemanns, die hier als Trauzeugin erschienen ist, kann sich die eine oder andere Träne nicht verkneifen. Gerade als ich denke es könne nicht schlimmer werden, da wird es schlimmer. Der lästige Oheim hat bemerkt, dass ich neben ihm sitze.
Ein lästiger Oheim(laut): Ah Junge! Bist Du auch hier? Scheiße siehst Du aus, völlig versoffen, genau wie Dein Vater, der säuft auch nur den ganzen Tag *hahahahaha*. Klaut der eigentlich immer noch *hahahaha*
Gezwungen lache ich mit, in der Hoffnung, diese geistige Toilettenspülung dadurch zum Schweigen bringen zu können. In der Zwischenzeit werden auch die anderen Teilnehmer dieser Modenschau auf das auffällige und laute Gebaren des Oheims aufmerksam. Hinter jedem Beichtstuhl kommt das aufmerksame Ohr eines Waschweibes hervor. Natürlich hält jede von ihnen einen Rosenkranz, fest umschlossen in der Hand und murmelt die neuesten Sonderangebote des örtlichen Kaufhauses vor sich hin. Meine Hoffnungen erfüllen sich nicht. Einmal in Fahrt kann nichts und niemand die Lawine stoppen, die mein Oheim losgetreten hat.
Ein lästiger Oheim(noch lauter): 500 habe ich geschenkt und nicht einen Euro weniger. Ich kann es mir leisten, habe geerbt. Wie viel hast Du denn im Umschlag? Was 50? Schämst Du Dich nicht? Es ist schließlich Deine Base Ilse
Selbst das Brautpaar scheint auf die ausführlichen Erläuterungen des Oheims aufmerksam geworden zu sein. Mit einem vorwurfsvollen Blick in meine Richtung tuschelt die Base in das Ohr ihres Vaters und kritzelt dabei mit einem Stift auf einem grauen Stück Papier herum. Danach kommt der Vater mit festem Schritt und dunkler Miene direkt auf mich zu und drückt mir den grauen Zettel in die Hand. Jetzt erkenne ich, dass es sich hierbei um die Speisekarte für das anschließende Hochzeitsessen handelt. Zu meinem Erstaunen sind sechs von sieben Gängen gestrichen worden. Einzig und allein der Nachtisch, in Form einer kleinen aber sehr schmackhaften Kugel Vanilleeis, wurde nicht gestrichen.
Der Vater(zornig): Tut mir Leid Junge. Deine Vorspeisen und Dein Hauptgang sind versehentlich vergessen worden. Naja, vielleicht beim nächsten mal.
Etwas erleichtert, dass wenigstens an das Speiseeis gedacht wurde, frage ich den Vater, ob ich vielleicht später noch etwas Sahne zu der Kugel haben könnte.
Der Vater(erstaunt und zornig): Was? Welches Speiseeis? Gib mir mal den Zettel wieder her. Oh. Entschuldigung, das Eis wurde auch vergessen.
Mit einem festen Strich erlischt in diesem Moment auch meine letzte Hoffnung auf einen Teil des Hochzeitsmahls. Der Vater unterdessen kehrt zum Altar zurück. Begleitet wird diese malerische Szene von dem nie enden wollenden Ave-Maria, das uns alle mit einer tiefen Andacht und Frömmigkeit erfüllt.
Der Oheim( noch viel lauter): Was ist eigentlich mit Dir? Wann gehst Du denn heiraten? Hast Du überhaupt eine Freundin oder bist Du schwul? Das würde ja auch passen, als Dein Vater in Deinem Alter war, hat er auch nur nach Männern geschaut. Ich sage es Dir aber gleich, von mir gibt es zu Deiner Hochzeit nichts, außer vielleicht einen Kuchen. Aber kein Geld, das kannst Du vergessen. Du würdest Dir von dem Geld doch nur Unsinn kaufen, wie Deine Mutter, die kann auch nicht mit Geld umgehen. Glaub mir, ich meine es nur gut mit Dir…
Gerade als ich glaube vor Scham im Erdboden versinken zu müssen, höre ich nur noch ein lautes grelles Ja ich will von Base Ilse. Danach liegen sich alle voller Rührung in den Armen. Der Bräutigam mit seinem Schwiegervater, die Braut mit Ihrer Nebenbuhlerin, dann der Pastor mit dem Vater und der Bräutigam mit seiner Geliebten. Diese freut sich dermaßen über das Glück ihres Gönners, dass sie ihn ganz fest und lange an ihre Brust drückt. Darüber freut sich dann auch die Braut, da sie sieht, wie beliebt ihr Mann doch ist. Alle freuen sich und alle sind glücklich. Vor der Kirche fährt auch eine goldene Kutsche, gezogen von achtzehn weißen Rössern vor, 200 Blumenmädchen streuen Reis und Goldsand vor der Kirche aus, ein Feuerwerk von unaussprechlicher Größe erbricht sich über den Himmel, eine Passagiermaschine mit 300 Insassen wird zu Ehren der Feiernden in der Luft zum Explodieren gebracht und alle Neugeborenen des örtlichen Krankenhauses werden zur Feier des Tages geopfert. Alles ist wundervoll und nichts kann die Schönheit dieses Tages trüben.
In diesem Moment verdunkelt sich wieder alles und vom Boden steigt Nebel auf. Dieses Schauspiel dauert nur einige Sekunden und als ich meine Umgebung wieder erkennen kann, finde ich mich in einem Festsaal wieder. Viele hundert Leute sitzen um mich herum, unter anderem auch mein lästiger Oheim und mein garstiger Vetter. Ich beobachte, wie dieser es tatsächlich schafft, mit nur einer Gabel, in allen Menüs des Nachbartisches gleichzeitig herumzustochern.
Ein garstiger Vetter(schmatzend): Ohmm, schmeckt der Fisch gut, liebe Ilse und Dein Steak schmeckt noch viel besser lieber Oheim…
Während er sich so durch die einzelnen Teller wühlt, wiege ich mich mit meiner erbeuteten Tellerdekoration in Sicherheit. Niemand käme auf die Idee nach einem Lorbeerblatt oder einer Scheibe Zitrone zu gieren. Doch offensichtlich habe ich meinen Vetter in dieser Beziehung doch unterschätzt.
Ein garstiger Vetter(schmatzend): Oh, was hast Du denn da leckeres? Darf ich das mal probieren?
Ich schaffe es gerade noch, den ersten Angriff des Garstigen auf meinen Teller abzuwehren. Doch schon wieder unterschätze ich ihn. Während sich meine Gabel ein tapferes Gefecht mit der Seinen liefert, bemerke ich nicht die vielen Tentakel, die sich heimlich unter dem Tisch zu mir herüberschlichen und sich an meiner Beute zu schaffen machen. Nach einigen Sekunden ist dieses illustere Schauspiel auch wieder beendet und mein Teller ebenso leer wie zu Anfang. Man hört nur noch den zufrieden schmatzenden Vetter mir gegenüber. Jedoch, zu meinem großen Entsetzen, muss ich den Abend nicht nur hungrig, sondern auch gelangweilt verbringen. Zur Unterhaltung der Gäste spielt das fröhliche Alleinunterhalter-Duett "Kein schöner Land zu jener Zeit" eine Auswahl der beliebtesten deutschen Volkslieder. Hierzu muss allerdings erwähnt sein, dass die Beiden nur ein einziges Lied spielen können und so muss ich mehrere Stunden das Lied, Hoch auf dem gelben Wagen, über mich ergehen lassen. Das wäre nicht das Schlimmste, wenn nicht mein lästiger Oheim nach zwei Stunden pausenloser Beschallung den glänzenden Einfall hätte, dass wir doch alle mitschunkeln und mitsingen könnten. Bevor ich entfliehen kann, haben mich die Tentakel des Vetters und der feste Griff des Oheims bereits gepackt, um mich im Takt der Musik hin und her zu reißen. Diese ausgelassene Situation wird jäh unterbrochen, als sich mein Oheim auf seine Tugenden der lautstarken Konversation besinnt.
Ein lästiger Oheim(noch viel, viel lauter): Vetter, wie viel hast Du denn geschenkt? Ich habe 500 gegeben, da ich es mir leisten kann. Ich habe soviel Geld, dass ich bei meiner Bank bereits das dritte Konto eröffnen musste, da die anderen beiden fast übergelaufen sind, so voll sind sie gewesen *hahahahaha*
Der Vetter zeigt sich wenig beeindruckt und entgegnet, dass er ebenfalls 500 Euro gegeben habe. Was dem Oheim in diesem Moment jedoch nicht auffällt, sind die vielen Tentakel des Vetters, die sich über den Gabentisch der Brautleute ausbreiteten. Auf diese Art und Weise verschwindet ein Schein nach dem anderen aus dem Umschlag des Oheims und wandert in die Taschen des Vetters. Plötzlich ertönt ein grelles Signal. Meine allerschlimmsten Befürchtungen werden in diesem Moment zur nackten und unaufhaltsamen Realität. Die Alleinunterhalter möchten einige Hochzeitsspiele mit den Gästen durchführen und haben mich als Hauptdarsteller auserkoren. Ich versuche zu enteilen, doch sind meine Häscher schneller und zahlreicher als ich. Zur Belustigung der Massen wird mir ein ganz besonderes Vergnügen zu teil. Nach dem Willen meiner Peiniger soll ich in ein Hühnerkostüm schlüpfen, damit umherhüpfen, gackern und Euroscheine mit meinem Mund vom Boden auflesen welche dann zu Ehren der Brautleute in deren Urlaubskasse fließen. Mein Oheim ist von dieser Idee begeistert.
Ein lästiger Oheim( schreiend): Dann hast Du Faulpelz endlich auch mal eine sinnvolle Aufgabe *hohohohohoh* Ich wehre mich so gut, wie ich kann. Gerade als ich aufgeben und mich in mein Schicksal fügen will, verdunkelt sich meine Umgebung und es zieht erneut Nebel auf. Nach einigen Sekunden befinde ich mich wieder, vor Angst völlig verschwitzt, zu Hause. War das etwa alles nur ein böser Traum? Ich blicke mich um und sehe Alberich, der sich an meinem Kühlschrank zu schaffen macht. Jetzt weiß ich, dass die Welt wieder in Ordnung ist, doch wieso befinden sich Reiskörner und Goldstaub in meinem Haar
Hochachtungsvoll Herr Fuchs
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